Das niedersächsische SPD-Urgestein Peter Struck ist und bleibt ein Liebling der Delegierten - trotz seiner Tätigkeit als Vorsitzender der Bundestagsfraktion zur Regierungszeit der bei den SPD-Mitgliedern ungeliebten Großen Koalition.
Wie es dazu kommt? Vermutlich sind es Sprüche wie: “Die Union kann mich mal!” Zu diesem Meilenstein der politischen Kommunikation, den der altgediente Sozialdemokrat kurz vor den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen 2008 setzte, greift er bisher zwar noch nicht. Als erstes Ziel nennt Struck statt dessen: “Wir wollen erst einmal verhindern, dass Bayern München Deutscher Meister wird.” Die Delegierten jubeln.
So unerwartet wie diese Exkursion in die Fußballbundesliga zustande kam, so schnell und ohne Umschweife geht Struck nun zum tagespolitischen Geschehen über. Die SPD habe in den zurückliegenden Regierungsjahren einiges erreicht - die gesellschaftliche Anerkennung von homosexuellen Menschen nennt Struck als Beispiel. “Früher haben sich ganz viele Homosexuelle nicht getraut, sich offen zu bekennen. Das ist heute anders, Rot-Grün hat hier viel erreicht und für Fortschritt gesorgt.”
Auf die schröderschen Sozialreformen, welche bei SPD-Versammlungen in der Vergangenheit für heftige Diskussionen sorgten, kommt Struck nicht zu sprechen. Statt dessen richtet er den Blick nach vorn: Atomenergie sei ein Auslaufmodell und zudem gefährlich, es dürfe keinen Ausstieg aus dem bereits beschlossenen Atomausstieg geben. Deshalb müsse Schwarz-Gelb im Herbst verhindert werden. Dies betreffe insbesondere Niedersachsen, welches einst vom früheren CDU-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht zum Atommülllager gerichtet wurde.
Struck stellt klar, wohin es gehen soll: “Mein Freund Münte sagte einmal: ‘Opposition ist Mist’. Ich sage: Opposition ist scheiße!” Seit der bayerischen Landtagswahl 2008 sei die Regierungskoalition nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Die CSU sei unberechenbar geworden und wechsle täglich ihre Positionen, weil ihre führenden Politiker, namentlich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, auf reinen Populismus setzten, um die verlorenen Stimmen wieder zurückzuerobern. Interessant: “Eine Dreierkoalition wäre genauso schwierig oder leicht umzusetzen wie die Zusammenarbeit mit CDU und CSU.” Die Gemeinsamkeiten mit der Union seien aufgebraucht: “Wer Mindestlöhne so stark bekämpft, darf nicht länger unser Koalitionspartner sein.”
So liefert Struck den Delegierten mit seiner Rede einen echten Leckerbissen - knackig, klar und erfrischend.
Ach ja: “War das hier eigentlich eine Macho-Rede?”, fällt es Struck zwischendurch ein. “Naja, mir auch egal.”










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